Life is gay!

Für viele heterosexuelle Männer scheint sie eine der lebenswichtigsten aller Fragen zu sein: “Wie halte ich mir Schwule vom Leib und was mache ich, wenn mich einer angräbt?”. Offenbar sind nicht wenige Heteros ernsthaft davon überzeugt, dass wir Schwulen es auf sie abgesehen hätten. Auf die Idee, dass es sich dabei um eine Wahnvorstellung oder eine maßlose Überschätzung der eigenen Attraktivität handeln könne, scheinen dabei aber nur die wenigsten zu kommen.

Klar, viele hetero Männer behaupten von sich, sie hätten nichts gegen Schwule. Bei den meisten geht allerdings dem Folgesatz das Wörtchen “aber” voran. Dieses “aber” zeigt immer wieder, dass sich Heteros offenbar deutlich mehr Gedanken über Schwule machen als es überhaupt nötig wäre. Anstatt dem Motto “Leben und leben lassen” zu folgen und sich weiter um ihren eigen Kram zu kümmern, scheinen sich viele lieber Gedanken darüber zu machen, was Schwule so treiben und wie man mit ihnen fertig wird, sollten sie sich an einen ranmachen. Und warum denken so viele Heteros immer, wir würden sie allen in den Arsch f***en wollen? Wir sind doch nicht alle rein aktiv *fg*. Der hier angesprochene Typ Hetero-Mann hat jedenfalls meist eine passende Formulierung bereits parat, wenn man ihn nach seiner Toleranz gegenüber Schwulen fragt.

Tatsache ist jedenfalls, dass Schwule nicht Jagd auf Heteros machen. Wir stehen auf Männer und Heteros sind zufällig auch Männer. Ob jemand hetero ist oder nicht, spielt dabei erst mal keine Rolle, denn auch wir können anderen nur vor den Kopf gucken. Die meisten von uns würden allerdings nie zwanghaft versuchen, eine hetero Mann anzugraben oder ihn ins Bett zu bekommen. Ein klares Nein ist deshalb in den meisten Fällen auch ein akzeptiertes Statement und bedarf keiner weiteren Erklärung. Wir Schwulen müssen schließlich auch immer mal wieder mit Flirtversuchen von Frauen klarkommen. Wer sich seiner eigenen Sexualität sicher ist, kann also mit einem klaren Statement nichts falsch machen.

Bei mir war es erst vor Kurzem, als ich Sonntags mit meiner Mutter zur Eisdiele ging, um für uns beide, meinen Freund und meine Oma Eis zu holen, als mich die hübsche Angestellte nach meiner Sortenauswahl direkt mit dem Spruch “Geschmack hat er ja. Hat er den auch bei Frauen?” angrub und grinste. Meine Mutter reagierte sogar noch schneller als ich und entgegnete, “nein, bei dem haben Frauen keine Chance”.

Warum machen sich nun so viele hetero Männer Gedanken darüber, was Schwule so treiben und was sie einem selbst so alles “antun” könnten?

Für viele Heteros ist “schwul” offenbar weitgehend gleichbedeutend mit “unmännlich”. Zumindest für diejenigen, die sich auf die klassischen Rollenbilder stützen. Und weil vielen der direkte und für sie bewusste Kontakt mit Schwulen fehlt, stehen sie zwangsläufig mit dem Arsch zur Wand und machen sich über alles lustig, was man als schwul bezeichnen kann.

Nach meinen Recherchen könnte es einerseits der schwule Mann als “das große Unbekannte Wesen” sein, andererseits aber auch die Angst davor, selbst für schwul gehalten zu werden, sollte man sich nicht aktiv auf typisch männliche Art und weise davon distanzieren. Wer sich also in entsprechenden Kreisen nicht aufführt, als wäre er der letzte Neandertaler, wird schnell mal als schwul abgestempelt. Toleranten und wissenden hetero Männern ist das weitgehend egal, den “Angstheteros” nicht.

Und so stellt sich mir die Frage, ob sich das von mir hier so schön stereotyp geschilderte Verhalten nicht etwas beeinflussen ließe, wenn wir Schwulen im Alltag mehr wahrgenommen werden würden. Klar, wir können nicht alle jeden Tag im T-Shirt mit der Aufschrift “It’s okay to be gay!” rumlaufen. Wir können aber ehrlicher zu unserer Umgebung sein.

Ich selbst habe früher immer damit gehadert z.B Verkaufspersonal, Kunden oder anderen Personen im Alltag zu zeigen, dass ich schwul bin. Heute spreche ich mit anderen aber über meinen Freund oder andere schwule Dinge in meinem Leben wie jeder Hetero es unbewusst auch tun würde. Negative Reaktionen habe ich in den letzten neun Jahren nicht bekommen, auch wenn die Herren in der Sauna gerne mal einen Blick riskieren, um zu prüfen, wer da so neben ihnen sitzt. Und bei der Massage hat bisher auch niemand Berührungsängste mit mir gehabt. Ehr im Gegenteil, denn man zeigt sich damit offen und ehrlich.

Mein Fazit? Die Angst von Heteros vor uns Schwulen ist irrational und völlig bescheuert. Wir graben normalerweise keine Heteros an und wenn doch, dann sollten die angesprochenen Herren seriös bleiben, das ganze als Kompliment sehen und eine höfliche, aber bestimmte Absage erteilen. Umgekehrt können Heteros meiner Meinung nach nur dann die Angst vor uns verlieren, wenn sie uns kennenlernen und merken, dass wir keine verweichlichten, unmännlichen Hetenknacker sind, die unter der Gemeinschaftsdusche auf Orgien spekulieren.

Kommentare zu: "Warum sich Schwule für Heteros interessieren und umgekehrt" (6)

  1. Deine Argumentation verstehe ich und finde sie auch völlig sinnig. Nur darf nicht vergessen werden, dass es auch durchaus “aggressive” Homosexuelle gibt, die Heten mit Absicht austesten. Da kursieren auch die wildesten Geschichten. Und meine lesbische Bekannte prollt auch ganz schön mit ihren “heterosexuellen” Eroberungen…
    Auch die viel gepriesene Toleranz ist ja u.U. ganz schnell vergessen, wenn es das persönliche Umfeld betrifft. Mein Freund und ich sind mittlerweile zwei Jahre zusammen. Vorher hatte er bis auf wenige Ausnahmen ausschliesslich etwas mit Männern. Seine homosexuellen Freunde haben unsere Beziehung weder Ernst genommen noch akzeptiert. Bis auf einen Freund, der sich weitestgehend von der Szene distanziert, haben sich letztendlich alle abgewendet. Er kann sich ja wieder melden, wenn er “normal” geworden ist. Auch mir wurden die wildesten Szenen hingelegt. Der Abschuss war etwas wie “der will dich doch nur schwängern und das Sorgerecht für’s Kind…”
    In diesem Sinne sollte man vielleicht doch versuchen, für alle Beteiligten etwas mehr Empathie zu zeigen. Im Endeffekt leben wir alle zusammen und müssen miteinander auskommen. Ob wir wollen oder nicht^^

  2. Anonym schrieb:

    Ich bin selbst schwul und lebe es seit über 20 jahren so, miene mutter hat es immer unterstützt und stand und steht zu mir.
    meine letzte beziehung hat 20 jahre gehalten und das mit einem mann. er ist an krebs verstorben.
    meine frage ist: ein angeblich “heteromann” in der firma macht mich seit 2 jahren an.
    das erste mal, wo ich ihm begenet bin war, dachte ich…oh nein,..lass mich zufrieden ….wir sind in der firma……….ein schwuler…..( die blicke waren es).

    dann kam er in die abteilung:
    er fässt mich meißtens an, an den po, glozt auf meine brustwarzen…fässt hin, macht anzügliche reden drüber, nimmt mich in den arm, kneift mich und sagt süßer, spatzl…..zu mir,
    dann kommen schmutzige chats…usw

    er sagt, dass er absolut hetero ist……gut sein outfit schreit, so schrill ist er teilweise unterwegs…..allles andere als hetero.

    ich habe ihn darauf angesprochen, doch er verteidigt vehemment seine ehe und seinen heißgeliebten sohn ( dieser ist 12 jahre alt).

    ich verstehe ihn nicht, da er ständig körperkontakt zu mir sucht und die frauen ihn auch als sehr differenziert sehen….und er provoziert mich ständig.

    die blicke mir gegenüber fallen den anderen auf und die leute lachen schon über ihn

    was kann man da tun????????.

    • Michael schrieb:

      Er will sich nicht eingestehen, auch auf Männer zu stehen. Er kann es nicht verbergen, versucht es aber verbal wieder zu verrücken..
      Am besten Du sagst Ihm das direkt auf den Kopf zu oder wenn Du etwas von ihm willst sagst ihm direkt auf den Kopf zu, ob er mit Dir …… will. Mal sehen wie er dann reagiert.

      • Anonym schrieb:

        …ja irgendwie…..

        teilweise ist es ganz extrem in beider Hinsicht:

        meine beste Kollegin hat es mitbekommen ……sie sagte nur noch, ich bin baff und wusste nicht mehr, wo ich hinschauen soll. So hat er dich betatscht und wollte ständig deine Nippel und den Po anfassen…seine stimme wird sanft und zärtlich der Umgang.

        In großer Öffentlichkeit (Casino), kann er nicht mal Hallo sagen und tut so als kennt er mich nicht.

        Es muß doch ein kollegialer Umgang möglich sein! Ich tue es. Warum kann jemand anderes es nicht auch?…Ich habe es angesprochen….zurück kam, ICH SEI JA SO. LAUNISCH
        ..und ich bin zickig und teilweise verletzend……….
        Sorry, wo?…….wenn ich sage, was mir nicht passt????????

        Es liegt nicht an mir, aber die Situation nervt und ich fühle mich angespannt.

        Wir hatten mal einen Disput und er hat mich “rauszitiert” in einen stillen Raum und, wovon überhaupt nicht die Rede war, vor Wut gemeint……und ich will auch sonst nichts von dir!!!!!!
        In dem Disput ging es überhaupt nicht darum, wer was von jemanden will ??????

        Warum sollte ich da noch was sagen?

        Aber das Spiel ging und geht weiter…….mal ist ruhiger und dann kommt wieder die Breitseite……

  3. Luna schrieb:

    Sehr guter Artikel.
    War selber mal in der Lage, wo ein (eigentlich sehr netter Heteromann) so meinte “Ich hab nix gegen Schwule, sollen sie machen was sie wollen, solange sie mich nicht anbaggern.”
    Ich darauf:”Na, so attraktiv bist du auch wieder nicht.”
    Aber ich glaub, die meisten haben, wie du schon geschrieben hast, “Angst” vor Passivität bzw sehen es als Unterwerfung an, wenn jemand in ihnen steckt (sorry wenn ichs so ausdrück, logischerweise hat schwuler Sex nicht eine Stellung, aber es ist halt die gängigste Vorstellung).

  4. Guter Text und ach so wahr. Was hab ich schon Hetenmänner schwadronieren hören, wenn es um Schwule geht. Lieblingssatz “Ich hab ja nix gegen Schwule, aber wenn mir einer an den Arsch fasst, kann er was erleben.” Nach kurzem Hintern-Check dachte ich nur: “Aus dem feuchten Traum wird wohl nie was werden.” Ich werde deinen Text in meinem Blog aufgreifen.

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